Warum wieder ein schwerer Beißvorfall?

01_20180128_091821_resizedLeider ist es wieder zu einem schweren Beißvorfall, dieses Mal durch einen Rotttweiler gekommen.

In Eching, Bayern, wurden 2 spielende Kindern durch den Hund, zum Teil schwer verletzt.

Rottweiler sind in Bayern so genannte „Listenhunde“ der Kategorie zwei. Das heißt, dass sie ordnungsgemäß und unter Angabe der Rasse angemeldet werden müssen. Bis zum Alter von 18 Monaten gelten sie dann als „normale“ Hunde und dürfen ohne Auflagen geführt werden, anschließend müssen sie einem Sachverständigen für einen Wesenstest vorgestellt werden. Dieser kann dem Hund dann ein so genanntes Negativzeugnis ausstellen, mit dem er quasi als ungefährlich gilt. Besteht das Tier den Wesenstest nicht, werden entsprechende Auflagen wie Leinenpflicht oder Maulkorbzwang verhängt. Außerdem kann die Haltergenehmigung dann widerrufen werden.

Leider hat im Laufe der letzten Jahre der Rottweiler einen sehr schlechten Ruf erhalten. Aber stimmt das wirklich? Ist diese Rasse gefährlich?

Darauf kann ich nur mit einem klaren „NEIN“ antworten!! Der Rottweiler ist für mich einer der ehrlichsten und tollsten Hunde, die es gibt. Mit der richtigen Erziehung und einer ganz klaren Linie, die ja jeder Hund braucht,  findet er seinen Platz in der Familie und kann, wie auch andere Hunde, zu einem vollwertigen Familienmitglied heranwachsen.

Warum passieren dann immer wieder solche Unfälle?

Ich könnte jetzt unzählige Gründe aufführen,  aus meiner langjährigen Erfahrung als Trainerin und Verhaltenstherapeutin haben sich aber folgende Ursachen herauskristallisiert:

  • woher kommt der Hund? Von einem seriösen Züchter oder von einem sog. „Vermehrer“?
  • wie wurde der Hund sozialisiert bzw. wurde er überhaupt sozialisiert?
  • wie wird der Hund erzogen? Mit Gewalt, Leinenruck, Stachel- oder Kettenhalsband oder mit einer souveränen, klaren, liebevollen Linie?
  • wird mit dem Hund überhaupt gearbeitet?  Der Rottweiler will, wie übrigens jeder andere Hund, arbeiten! Ob Mantrailing, Fährtensuche, jede Form der Nasenarbeit, Longieren usw.  Stupides Gassigehen oder noch viel Schlimmer, Ballspielen lastet keinen Hund aus und er sucht sich eine andere Beschäftigungsmöglichkeit, die aber für uns Menschen und sein Umfeld weniger spassig werden kann.
  • wird mit dem Hund vielleicht auch zuviel gearbeitet und ist er überfordert?
  • bekommt er keine klaren Anweisungen und sucht sich  deshalb seinen eigenen Weg?
  • eine der Hauptursachen, die ich in meinen Therapiegruppen immer wieder feststellen kann, ist Unsicherheit und Streß.

Zum Thema Ballspielen: Ein Hund, dessen Hauptbeschäftigung Ballhinterherlaufen ist, lernt ganz schnell, dass bewegliche Objekte Beute sind.  Ob Ball oder Kinder oder Radfahrer/Jogger, das macht für einen Hund dann keinen Unterschied mehr.

In unseren Therapiegruppen, die speziell auf diese Thematiken zugeschnitten sind, erlebe ich immer wieder, dass den Hunden „gelernt“ wurde, dass Kinder, Radfahrer, Artgenossen usw. Feinde sind und angegriffen bzw. gejagt  werden müssen. Wie das? Darauf gibt es ein ganz einfaches Beispiel:  Hund sieht Radfahrer, geht knurrend oder kläffend nach vorne. Was macht der Besitzer: Er reisst den Hund zurück, dann wird „Aus, Pfui“ usw. gebrüllt. Was lernt der Hund? „Radfahrer sind blöd!!!“  Und geht beim nächsten Radler natürlich wieder nach vorne.

Deshalb würde auch der im Moment geforderte Leinenzwang für Hunde nichts bringen, denn erstmal muss der Hundehalter geschult werden.

Also verurteilt bitte nicht den Rottweiler, denn der Hund macht nur das, was wir ihm gelernt haben.

 

 

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